Galvanoplastiken - täuschend echt oder echt täuschend?

Liebespaar/ Kupfer-Galvanoplastik, dunkelbraun patiniert. Sign.; vom an der Akademie in München ausgebildeten und dort ab 1900 als Professor tätigen Bildhauer Heinrich Waderé (1865 Colmar - 1950 München) H. 58 cm. Liebespaar/ Kupfer-Galvanoplastik, dunkelbraun patiniert.

Galvanoplastiken sind Figuren aus Metall, die durch Galvanisieren eines Modells hergestellt werden. Bis zur Mitte des 20. Jahrhunderts bestand das meist in der Skulptur verbleibende Modell aus Gips. Heute werden Galvanoplastiken oft mit einem Kunststoffkern hergestellt.

Laien können Galvanoplastiken nicht immer als solche erkennen und halten diese dann für echte  Bronzeskulpturen. Auch Fachleute können solche Skulpturen oftmals nur nach eigehender Untersuchung als Galvanos identifizieren.

Die Herstellung von Galvanoplastiken nahm gegen Ende des 19. Jahrhunderts grossen Aufschwung.   1896 wurde in St. Gallen der von August Bösch geschaffene Broderbrunnen auf dem Lindenplatz errichtet. Die originalen Skulpturen dieses Brunnens sind Galvanoplastiken, welche im Jahr 2000 durch Bronzeskulpturen ersetzt werden mussten. In Deutschland stellte die Galvanoplastische Abteilung der WMF ab  1902, bis zur Einstellung der Produktion 1948, hauptsächlich Grabfiguren her. Diese sehen aus wie Bronzeskulpturen, waren jedoch in der Anschaffung bedeutend billiger.  Eine der letzten Grossplastiken, welche in der Galvanoplastischen Abteilung der WMF hergestellt wurde, ist der Neptunbrunnen in Tübingen.

Die Verwendung von Gips für das Modell der Galvanoplastiken bewährt sich auf längere Zeit nicht. Sobald die sehr dünne Kupferschicht durch Korrosion beschädigt ist, lässt eindringendes Wasser den Kern aufquellen und die dünne Kupferschicht platzt auf. Damit wird innert kurzer Zeit die Skulptur massiv beschädigt.

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Heute werden Galvanoplastiken mehrheitlich in Asien hergestellt. Auf einen Kern aus Gips oder Kunststoff wird im Galvanobad eine sehr dünne Schicht (0,3 – 3 mm) aus Kupfer auf den Kern aufgetragen. Bei kleinen Statuetten umschliesst die Kupferschicht den Kern vollständig, so dass auch die Unterseite der Standfläche geschlossen ist.

Grundsätzlich ist nichts gegen die Herstellung von Galvanoplastiken einzuwenden. Werden diese mit wasserresistentem Kern  hergestellt, können diese Skulpturen für die Gartendekoration eine günstige Alternative zu echten Bronzeskulpturen sein.

Betrug ist es dann, wenn Galvanoplastiken dem ahnungslosen Interessenten als Bronzefiguren angeboten werden.

Autor: Angelo Steccanella

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Broderbrunnen St.Gallen, 1896 von August Bösch erstellt
Grabengel - Galvanoplastik nach einem Modell von Adolf Lehnert, hergestellt von der Galvanoplastischen Anstalt der WMF
Grabengel in Thal (SG) - Galvanoplastik nach einem Modell von Adolf Lehnert, 1903 hergestellt von der Galvanoplastischen Anstalt der WMF. Schäden und Verluste durch Korrosion
Grabengel in Thal (SG), Beschädigung der Kupferhaut durch aufgequollenem Gipskern
Jugendstil-Büste einer jungen Dame Kupfer-Galvanoplastik, dunkelbraun patiniert. Signiert vonGustave van Vaerenbergh (1873 Gand - 1927 Schaerbeek bei Brüssel). H: 16.5 cm
Liebespaar/ Kupfer-Galvanoplastik, dunkelbraun patiniert. Sign.; vom an der Akademie in München ausgebildeten und dort ab 1900 als Professor tätigen Bildhauer Heinrich Waderé (1865 Colmar - 1950 München) H. 58 cm.
Neptunbrunnen in Tübingen. 1948 durch die Galvanoplastische Anstalt der WMF hergestellt.
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